
Schwammwald und Hochwasserschutz: Damit aus Regen keine Katastrophe wird
Wenn wir über Hochwasserschutz sprechen, denken viele zuerst an Mauern, Rückhaltebecken und Technik. Doch der wirksamste Schutz beginnt oft viel früher: oben am Hang, im Boden, im Wald. Ein intakter Wald kann Regen aufnehmen, speichern und zeitverzögert wieder abgeben – und genau das macht ihn zu einem natürlichen Schutzraum für Täler und Siedlungen.
Gerade im Schurwald ist diese Frage nicht abstrakt. Die Broschüre von Greenpeace zum Thema Schwammwald und Hochwasserschutz zeigt, wie stark Rückegassen die Bodenstruktur verändern können: Böden werden verdichtet, Wasser versickert schlechter, fließt schneller oberflächlich ab und wird hangabwärts beschleunigt. Was im Wald nicht zurückgehalten wird, kommt unten ungebremst an – in Bächen, Flüssen und im schlimmsten Fall in unseren Orten.
Dabei ist das Potenzial eines gesunden Waldes enorm. Ein intakter - unbewirtschafteter - Waldboden kann bis zu 400 Liter Wasser pro Quadratmeter speichern, während strukturell beeinträchtigte Waldböden oft nur etwa 50 bis 200 Liter aufnehmen. Gleichzeitig liegen Starkregenereignisse bereits bei bis zu 150 Litern pro Quadratmeter, Extremereignisse sogar bei 280 Litern und mehr.
Das ist keine ferne Warnung, sondern Realität. Die Hochwasserereignisse im Rems-, Fils- und Neckartal im Jahr 2024 haben deutlich gemacht, dass Schutzmaßnahmen allein im Tal nicht ausreichen. Wenn wir den Wald nicht als Schwammwald denken und behandeln, verlieren wir eine der wichtigsten natürlichen Antworten auf die Klimakrise.
Falls das Video nicht laden sollte - hier eine weitere Version: https://youtu.be/bLI365byiak
Ein intakter Wald schützt nicht nur vor Hochwasser. Er kühlt die Landschaft in Hitzeperioden, fördert die Grundwasserneubildung und schafft Lebensräume. Totholz, Humus, Wurzeln, Mulden und feuchte Mikrostrukturen halten Wasser zurück und machen den Wald widerstandsfähiger. Ein Schwammwald ist eine der kostengünstigsten Maßnahmen zum Hochwasserschutz und hat noch weitere zahlreich positive Nebeneffekte.
Deshalb braucht es jetzt mehr Schutz, mehr Rücksicht und mehr Mut zur Veränderung. Wälder dürfen nicht nur als Industriewälder gedacht werden. Sie sind Lebensraum, Klimaschützer, Wasserspeicher und stille Verbündete in einer Zeit, in der Wetterextreme zunehmen.
Die Greenpeace Broschüre zum Schwammwald und Hochwasserschutz richtet sich an alle, die sich informieren und Verantwortung für ihre Gemeinde übernehmen wollen. Besonders gedacht ist sie für politische Entscheidungsträger, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Gemeinderätinnen und Gemeinderäte – aber ebenso für interessierte Bürgerinnen und Bürger. Sie erklärt anschaulich, warum intakte Waldböden so wichtig sind und welche konkreten Maßnahmen den Wald als Wasserspeicher und natürlichen Schutzraum stärken. Sie kann gerne weitergeleitet werden und ist bei Interesse auf Anfrage auch in gedruckter Form erhältlich.
Umfrage
Und noch eine Bitte: Eine Schülerin der 12. Klasse führt aktuell eine Umfrage zum Wald, zu Schutzgebieten, Klimawandel und zur Rolle von Bürgerinitiativen durch. Darin geht es unter anderem um die Funktionen des Waldes, den Handlungsbedarf in verschiedenen Waldformen und die Frage, welche Schutzmaßnahmen aus Sicht der Menschen stärker umgesetzt werden sollten. Bitte nehmt euch ein paar Minuten Zeit und macht mit – jede einzelne Teilnahme hilft, ein klareres Bild davon zu bekommen, wie wichtig Waldschutz den Menschen wirklich ist.



